KMLH

Praxisbegleitung als Werkzeug kollegialen Lernens: der Auszeichnungsprozess in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz laufend

Wie verankert eine große Einrichtung MH® Kinaesthetics dauerhaft – über Stationen, Häuser und Jahre hinweg? In den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) läuft seit 2015 ein fortlaufender Auszeichnungs- und Wiederauszeichnungsprozess. Im aktuellen Turnus wurde die Praxisbegleitung selbst zum Werkzeug: kurz und situativ „to go“, dokumentiert in einem digitalen Protokoll, ausgewertet in einem Dashboard.

ZeitraumErste Auszeichnung 2015, erneut 2018/2019; laufender Turnus 2024 bis Herbst 2026
PartnerGeriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) – Albert-Schweitzer-Klinik, SeniorInnenresidenz Robert Stolz u. a.
OrtGraz, Steiermark
ZielgruppePflege-, Therapie- und ärztliches Personal, hauseigene Trainer*innen und zertifizierte Anwender*innen, Pflegedienstleitungen
FormatAuszeichnungsprozess nach dem KMLH-Rückmeldemodell®: Kick-off, Standortbestimmung, Meilensteinmeetings, begleitete Umsetzung, Auszeichnung

Ausgangslage

Die Verbindung zwischen den GGZ und MH® Kinaesthetics reicht weit zurück: 2015 wurden die beiden Wachkoma-Departments (Apallic Care Unit) erstmals ausgezeichnet, 2018/2019 folgte eine erneute Auszeichnung mit Schwerpunkt auf multiprofessioneller Zusammenarbeit – bewusst mit dem gesamten Team. In den Pandemiejahren kamen weitere Stationen der Albert-Schweitzer-Klinik hinzu. Seit 2024 läuft ein neuer Turnus mit der Neuro Care Unit, der AG/R-Sonderklasse und der SeniorInnenresidenz Robert Stolz. Getragen wird der Prozess von der Grundhaltung der Pflegedienstleitung, dass Kinaesthetics eine wesentliche Säule der Organisation ist – als Methode für die Versorgung ebenso wie als Element der Team- und Organisationsentwicklung. Die Ausgangsbedingungen sind unterschiedlich: Manche Bereiche haben viele zertifizierte Anwender*innen und einen internen Grundkurstrainer, andere kaum Vorkenntnisse. Ein Prinzip des Prozesses: Die im Haus vorhandene Expertise wird – ergänzt durch externe MH® Kinaesthetics-Trainer*innen – gezielt dorthin gelenkt, wo Entwicklung nötig ist.

Vorgehen

Der Auszeichnungs- und Wiederauszeichnungsprozess erstreckt sich über rund zwei Jahre – vom Kick-off über die erste gemeinsame Standortbestimmung, Meilensteinmeetings und die externe Begleitung der Umsetzungsphase bis zur zweiten Standortbestimmung und der Auszeichnungsfeier. Diese Dauer ist selbst eine Wirkung: Praxisbegleitungen wirken vor allem dann, wenn sie wiederholt und aufeinander aufbauend stattfinden – aus einzelnen Anlässen wird ein durchgehender Lernweg, aus den Beziehungen zwischen Mitarbeiter*innen, zertifizierten Anwender*innen, Trainer*innen und Führungskräften eine tragfähige Struktur. Wo anfangs die Sorge bestand, kontrolliert zu werden, stand am Ende die Frage einer Kollegin an die begleitende Anwenderin: „Wann kommst du wieder?“

Weil geplante, terminlich fixierte Praxisbegleitungen in vielen Organisationen seltener möglich sind, brachte eine externe MH® Kinaesthetics-Referentin die „Praxisbegleitung to go“ ein: Alltägliche Situationen werden für kurze, wirksame Lernsequenzen genutzt, oft in Echtzeit, mit Blick auf Gesundheitsentwicklung, Bewegungslernen und Selbstständigkeit aller Beteiligten – „Ich bereite mich nicht vor, ich bin einfach mit in der Situation.“ Kurze situative Begleitung und ausführlich protokollierte Praxisbegleitung ergänzen einander: Die eine setzt in Echtzeit einen Impuls, die andere hält den Lernweg systematisch fest.

Aus dem bewährten Print-Formular der GGZ wurde ein interaktives PDF-Protokoll, dessen Einträge direkt in eine Datenbank fließen; parallel entstanden der Prototyp einer Web-Anwendung zum Dokumentieren am Tablet und ein Dashboard, das die Protokolle zusammenführt – ergänzt um eine versuchsweise eingeführte Einschätzung der Reflexionstiefe.

Ergebnis (Zwischenstand)

Was die Daten sichtbar machen

  • Welche Kinaesthetics-Konzepte und Kompetenzfelder in den Begleitungen im Mittelpunkt stehen – und welche selten aufgegriffen werden: ein konkreter Hinweis für fokussierte Workshops. Die Steuerung der Schulungs- und Begleitungsschwerpunkte wird datengestützt.
  • Ob die in einer Begleitung vereinbarte Lernaufgabe bei der nächsten wieder aufgegriffen wird – die dokumentierte Kontinuität, die Nachhaltigkeit greifbar macht.
  • Für Pflegedienstleitungen: geleistete Praxisbegleitungsstunden und der Anteil begleiteter Mitarbeiter*innen je Abteilung; für Trainer*innen und zertifizierte Anwender*innen: die personen- und teambezogene Entwicklung über mehrere parallele, mehrjährige Prozesse hinweg.

Das eigentliche Ziel ist, die Menschen zu stärken, die den Prozess tragen: Das digitale Protokoll gibt den zertifizierten Anwender*innen und Trainer*innen eine Rückmeldung über ihr eigenes Tun – Handlungsfähigkeit im Sinne der response-ability. Der Auszeichnungsprozess läuft noch bis Herbst 2026; die technische Entwicklung steht mit dem Proof of Concept an einem ersten Etappenziel, weitere Pflegeheime der GGZ werden schrittweise einbezogen.

Was das für Sie bedeutet

Als Einrichtung: Praxisbegleitung ist mehr als ein Durchführungsnachweis – richtig dokumentiert wird sie zur Informationsquelle für Ressourcenmanagement, Fortbildungsplanung und die Selbstorganisation Ihrer Trainer*innen. Als Pflegedienstleitung: Sie erhalten eine sachliche Grundlage, um Rahmenbedingungen für Praxisbegleitungen zu schaffen und ihren Mehrwert zu belegen. Nächster Schritt: Fragen Sie uns nach Praxisbegleitung „to go“ und der digitalen Dokumentation für Ihren Implementierungsprozess.

Quelle: Kinaesthetics in der Pflege, 3. Aufl., facultas 2026, Kap. 9.3 „MH®Kinaesthetics-Praxisbegleitung als Werkzeug kollegialen Lernens in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz“ (Zwischenstand; der Prozess läuft bis Herbst 2026).

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