Modellprojekt „Gesundheitsentwicklung im LKH Hörgas“: Kinaesthetics für alle Berufsgruppen eines Krankenhauses abgeschlossen
Ein ganzes Krankenhaus lernt Kinaesthetics – von der Pflege über Ärzt*innen und Therapeut*innen bis zu Küche, Reinigung und Haustechnik. Das Modellprojekt im LKH Hörgas bei Graz war das erste dieser Art in Österreich und der Ausgangspunkt für Implementierungsprozesse in 21 Landeskrankenhäusern der Steiermark.
Ausgangslage
Anfang der 2000er-Jahre war Kinaesthetics in der österreichischen Pflege noch jung – die erste Trainerausbildung für die Pflege hatte gerade begonnen. Die Pflegedirektorin der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft erkannte bei einer Abschlussveranstaltung mit den Begründern, dass Kinaesthetics für alle Pflegenden wesentlich sein wird. Auf Vorstandsbeschluss und in Kooperation mit der kollegialen Führung des LKH Hörgas entstand ein Vorhaben, das weit über eine Pflegefortbildung hinausging: Gesundheitsentwicklung für alle Mitarbeiter*innen eines Krankenhauses, unabhängig vom Beruf.
Vorgehen
Von 2003 bis 2005 lernten sämtliche Berufsgruppen des Hauses mit Kinaesthetics – Pflege und Therapie durch die Trainer*innen des EIHD, zum Teil in Anwesenheit der Begründer; die übrigen Berufsgruppen von Dr. Lenny Maietta und Dr. Frank Hatch selbst oder von Dozenten des Instituts. Das obere und mittlere Management wurde eigens begleitet und beraten. Prof. Bernhard Müller von der Fachhochschule Bern beschrieb und erweiterte das Curriculum in Zusammenarbeit mit den Begründern – viele Kurse und Settings in Hörgas wurden so zugleich dokumentiert und weiterentwickelt. Die Evaluation lag bei einem externen Partner, der Frey Akademie Dornbirn.
Ergebnis
Der Evaluationsbericht vom September 2005 zeigt: Die Projektziele wurden erreicht.
- Die sensibilisierte Körperwahrnehmung und die daraus resultierende Bewegungskompetenz wirkten sich auf Gesundheit, Arbeitsqualität und Produktivität der Mitarbeiter*innen aus.
- Arbeitsbedingte körperliche Beschwerden und Belastungen konnten reduziert, belastende Haltungen verringert und Verletzungen – besonders bei wiederholten Bewegungen und beim Heben schwerer Lasten – vorgebeugt werden.
- Die Mitarbeiter*innen berichteten von gesteigerter Konzentration und Aufmerksamkeit; krankheitsbedingte Ausfälle gingen zurück.
- Langfristig förderte das Projekt ein gesundheitsbewusstes Verhalten auch außerhalb der Arbeit.
Die Folgen reichten weit über das Haus hinaus: Implementierungsprozesse in fast allen Landeskrankenhäusern der KAGes – insgesamt 21, inklusive des LKH-Univ. Klinikums Graz – und in einem Landespflegeheim. Das LKH Hörgas-Enzenbach nutzte Kinaesthetics und später MH® Kinaesthetics weiterhin als Beitrag zur professionellen Pflege, Therapie und Begleitung und zur Gesundheitsentwicklung ihrer Mitarbeiter*innen; beide Häuser wurden mehrmals ausgezeichnet.
Was das für Sie bedeutet
Als Krankenhaus oder Träger: Hörgas zeigt, dass Gesundheitsentwicklung durch Bewegung nicht an einer Berufsgruppe endet – und dass ein multiprofessionelles Vorgehen die Kultur eines ganzen Hauses verändert. Als Führungskraft: Die Schulung und Beratung des Managements war Teil des Projekts, nicht Beiwerk. Nächster Schritt: Heute strukturiert das KMLH-Rückmeldemodell® solche Prozesse – von der Standortbestimmung bis zur Auszeichnung.
Quellen: Ulrike Resch-Kröll, „Meine Entwicklung als MH® Kinaesthetics-Trainerin und KMLH-Geschäftsführerin“, in: Die Erfindung der Kinästhetik, NWV 2024 (Band 4), S. 157–161; Meilenstein-Tabelle Tab. 01, facultas 3. Aufl. 2026.