Glossar: die Fachbegriffe von MH® Kinaesthetics
Von Absicht bis Wiefür: Hier finden Sie die Begriffe, mit denen MH® Kinaesthetics Bewegung, Lernen und Zusammenarbeit beschreibt – im Wortlaut des Lehrbuchs „Kinaesthetics in der Pflege“ (3. Auflage 2026). Jeder Begriff hat eine eigene Sprungadresse, damit Seiten und Kurse direkt darauf verweisen können.
A
- Absicht
ist ein grundlegender Plan, ein Bestreben oder eine Intention, etwas zu tun, eine grundsätzliche Richtung, die begangen wird. Unmittelbar damit verbunden sind die innere Einstellung, Haltung oder Prägung von Menschen.
- Ambulantes Assessment
bezeichnet eine Methode der empirischen Sozialforschung, bei der Daten wiederholt und unmittelbar im Alltag erhoben werden – nicht rückblickend in einer Befragungssituation. In der EKiP-Studie beantworteten Pflegende dazu direkt im Anschluss an eine Pflegesituation kurze Fragen zu ihrem momentanen Befinden auf einem Studiensmartphone. So lassen sich Wirkungen genau dann erfassen, wenn sie auftreten, und bevor Erinnerungsverzerrungen sie überlagern.
- Annahmen
sind unbewusste Gedanken über Menschlichkeit, Lernen und Gesundheit, die den Rahmen für menschliches Verhalten bilden.
- Auszeichnungsprozess
Definierter Qualitätsentwicklungsprozess in Organisationen durch die Kinaesthetics-movement-learning-health-Gesellschaften. Lernprozesse und die Entwicklung von Kinaesthetics-Kompetenzen und -Fähigkeiten, Interaktionen und der Kommunikation aller Beteiligten sowie die Umsetzung des Wissens in den Praxisalltag werden wertgeschätzt. Respektvolle und professionelle Betreuung, Begleitung und Pflege von Mitarbeiter*innen werden anerkannt und ausgezeichnet. Ein Kulturwandel in Organisationen kann ermöglicht werden.
B
- Begleiten/Begleitung
von Menschen in der in Echtzeit notwendigen Interaktionsform. Dazu gehört, auf die Zeit der zu Begleitenden, den zur Verfügung stehenden Raum und die vorhandene Muskelkraft zu achten und die Betreffenden in Richtung Ziel effektiv zu bewegen.
- Bewegung
Menschliche Aktivitäten bestehen aus Bewegung. Bewegung ist eine Leistung, d. h. der Transfer von Gewicht im Raum in einer bestimmten Zeit. Fehlen gewisse Eigenschaften der Elemente der Bewegung, d. h. fehlen Zeit, Raum oder Anstrengung (Muskelkraft), findet keine Bewegung statt.
- Bewegungsfähigkeiten
Dabei geht es um die erforderliche Bewegung, die zur Durchführung einer Aktivität genutzt wird, ohne zu überlegen. Bewegungsfähigkeiten werden nicht als gut oder schlecht beurteilt, sie sind einfach vorhanden.
- Bewegungskompetenz
1. Bewegungskompetenz ist die Fähigkeit, die Qualität der Bewegung zu beschreiben, anzupassen oder zu verbessern, sodass Aktivitäten effektiver gestaltet werden können. 2. Kinaesthetics unterstützt Menschen dabei, ihre Bewegungskompetenz zu entwickeln. Bewegungskompetenz ist nicht das gleiche wie Bewegungsfähigkeit. Menschen kommen mit einer einfachen „Lebenskompetenz“ auf die Welt. Diese erweitert sich, wenn wir unsere Fähigkeiten beim Entdecken weiterer Möglichkeiten einsetzen, um die Lebensaktivitäten auszuüben und neue Wege dafür zu finden. Die eigene Bewegungskompetenz erlaubt es uns Menschen, Bewegungen für die Durchführung von Alltags-, Familien-, Sozial-, Lern- und Arbeitsaktivitäten anzupassen, damit diese den vorhandenen physiologischen und psychologischen Bewegungssituationen und -fähigkeiten entsprechen. Kompetenz entwickelt sich, wenn Menschen anhand von Bewegung lernen, auf sich selbst zu achten, den Erfahrungen, die sie machen, eine Bedeutung zu geben, und das hier Erlernte auf andere Kompetenzfelder zu übertragen. Dieser Prozess ermöglicht es, darüber nachzudenken, wie die Annahmen hinsichtlich der Regulierung des menschlichen Verhaltens, des Lernens, der Gesundheit und der Arbeitsleistung angepasst und verändert werden können.
Dieser weite Bereich der Fähigkeitsentwicklung und des Lernens führte dazu, dass MH®Kinaesthetics als bewegungsbasiertes Bildungssystem bezeichnet wurde. Moveo ergo sum – Ich bewege mich, also bin ich: Das Bildungssystem unterstützt Menschen dabei, ihre Bewegungskompetenz zu entwickeln, um damit die Aktivitäten ihres Lebens zu gestalten.
C
- Curriculumstruktur (curriculare Struktur)
beschreibt – ausgehend vom Grundsatz „Ich bewege mich, also bin ich“ – die Perspektiven, aus denen die wachsende Komplexität eines lebenden Systems betrachtet, analysiert und dokumentiert werden kann. Sie ordnet die curricularen Elemente des MH®Kinaesthetics-Bildungssystems (Aktivität, Konzeptsystem, Lernzyklus, Gesundheitsentwicklung, Kompetenzfelder sowie Organisation/Implementierung) zu einem zusammenhängenden Lernaufbau. Aus jeder Perspektive werden immer feinere Erfahrungen und Auseinandersetzungen mit den eigenen Annahmen über die Rolle der Bewegung für Lernen, Gesundheit und Produktivität möglich. Die curriculare Struktur ist damit das didaktische Gerüst, an dem sich Kurse, Seminare sowie Aus-, Fort- und Weiterbildungen ausrichten.
F
- Feedback Control Theory (FCT)
Die Feedback Control Theory ist eine zentrale wissenschaftliche Grundlage von MH®Kinaesthetics. Sie geht auf die Verhaltenskybernetik von Karl U. Smith zurück und beschreibt lebende Systeme als in sich geschlossene Regelkreise, die ihr Verhalten nicht auf äußere Reize hin, sondern von innen heraus steuern. Die eigene Bewegung steht dabei im Mittelpunkt: Ein Mensch bewegt sich in Richtung seiner Absicht, alle Sinnessysteme registrieren den Effekt dieser Bewegung, das Zentralnervensystem vergleicht das Ergebnis mit der Absicht, und die Abweichung steuert die nächste Bewegung. Verhalten entsteht so als fortlaufender, zyklischer Prozess der Selbstregulation und Fehlerkorrektur – die Grundlage dafür, dass jeder Mensch einzigartig und selbstgesteuert lernt. Der Begriff „Feedback“ meint hier die körpereigene Rückmeldung der eigenen Bewegung, nicht eine Rückmeldung von außen. (siehe auch Verhaltenskybernetik)
- Fortbewegungsaktivität
ist eine Aktivität von einem zum anderen Ort. Der ursprüngliche Platz wird verlassen, z. B. sich vom Sitzen ins Stehen oder von der Rücken- in die Seitenlage zu bewegen.
G
- Gesundheitsentwicklung
meint den Prozess und das Verständnis dessen, dass Gesundheit lebenslang durch die Qualität der eigenen Bewegung in Aktivitäten positiv oder negativ beeinflusst werden kann.
- Gleichgewicht
Menschen sind dann im Gleichgewicht, wenn das Gewicht aller Körperteile so über das Knochengerüst fließt, dass das tatsächliche Körpergewicht nicht wahrnehmbar ist. Die erforderliche Muskelspannung/-kraft, um es auszubalancieren, ist angemessen, sodass effektive Bewegung möglich ist. Menschen bemerken ihr Gewicht und ihre Muskelspannung eher, wenn sie im Ungleichgewicht sind.
- Grounded Theory
bezeichnet einen Forschungsansatz der qualitativen Sozialforschung, bei dem eine Theorie nicht vorab festgelegt, sondern schrittweise aus dem empirischen Material heraus entwickelt wird. Nicht die Überprüfung bestehender Annahmen steht im Vordergrund, sondern die gegenstandsnahe Entwicklung einer Theorie aus den Daten selbst. In der KMLH-Fokusgruppe wird dieser Ansatz genutzt, um das Bildungssystem nicht von außen zu beschreiben, sondern es aus der Erfahrung heraus zu erschließen und schrittweise eine fundierte Theorie seiner Grundlagen zu entwickeln.
H
- Handling
meint, dass Menschen ihren Körper und die eigene Bewegung mit ins Spiel bringen (sich effektiv mit-bewegen), um den anderen Menschen dadurch kompetent (und nicht nur fähig) zu machen. Wissen über spezifische Interaktionsformen und eigene fortgeschrittene Bewegungssensibilität und -kompetenz sind dafür notwendig.
- Heterarchie
bezeichnet eine Organisationsform, in der Entscheidungs- und Steuerungsprozesse durch gleichberechtigte, miteinander vernetzte Einheiten erfolgen – ohne feste Über- und Unterordnung. Für ein konkretes Entwicklungsziel finden sich jeweils die Menschen zusammen, deren Kompetenzen zur Zielerreichung beitragen, unabhängig von ihrer formalen Position. Jede und jeder behält dabei Klarheit über die eigene Position, Funktion und Rolle und trägt den eigenen Teil zur gemeinsamen Absicht bei. KMLH ordnet sich heterarchisch; das interne KMLH-Rückmeldemodell bildet diese Struktur ab. Gegenbegriff: Hierarchie.
- Hierarchie
bezeichnet eine Organisationsform mit fester Über- und Unterordnung von Positionen, in der Entscheidungs- und Weisungsbefugnisse von oben nach unten gestuft sind. Die meisten Organisationen, die KMLH in Implementierungs- und Auszeichnungsprozessen begleitet, sind hierarchisch aufgebaut. Das KMLH-Rückmeldemodell® trägt dem Rechnung, indem es allen Beteiligten – über alle Ebenen hinweg – Klarheit über Position, Funktion und Rolle sowie eine gemeinsame Bezugsgröße (die Absicht) gibt. Gegenbegriff: Heterarchie.
- Hypnosystemische Therapie / hypnosystemisches Coaching
bezeichnet einen von Dr. Gunther Schmidt (Heidelberg) begründeten Beratungs- und Therapieansatz, der hypnotherapeutische (nach Milton Erickson) und systemische Konzepte verbindet. Er arbeitet kompetenz- und ressourcenorientiert mit bewussten wie unbewussten Prozessen und richtet den Blick auf die Erlebniswelten und die Selbstorganisation der beteiligten Menschen. Im MH®Kinaesthetics-Kontext ist der hypnosystemische Ansatz – neben der Verhaltenskybernetik mit ihrer Feedback Control Theory (FCT), der wissenschaftlichen Basis von MH®Kinaesthetics – eine der beiden Grundlagen, auf denen das KMLH-Rückmeldemodell® und die Entwicklungsarbeit von KMLH in Organisationen und Teams beruhen. Beide Wurzeln greifen ineinander: Die FCT beschreibt die Selbststeuerung über Rückmeldung auf der Ebene der einzelnen Person, der hypnosystemische Ansatz die ressourcenorientierte Gestaltung von Interaktion und Zusammenarbeit.
I
- Ich bewege mich, also bin ich
Dieser Grundsatz vertritt die Idee der lebenslangen Gesundheitsentwicklung und der immer differenzierteren Bewegung als Quelle für Lernen und Gesundheit. Basierend auf der verhaltenskybernetischen Forschung stellt dieses Konzept der Gesundheitsentwicklung ein neues Paradigma zum Verständnis sowie zum Umgang mit Gesundheit und Lernen dar. Die Verbesserung der individuellen Bewegungsfähigkeiten zur Ausführung der Alltagsaktivitäten wird sowohl als Mittel erachtet, um die eigene Gesundheit und die Lernprozesse positiv zu beeinflussen, als auch als Grundlage, um sich auf wirksame Weise mit abstrakten Ideen auseinanderzusetzen und diesen eine neue Bedeutung zu geben.
- Implementierungsprozess
Ein Implementierungsprozess ist die Umsetzung praktische Umsetzung des KMLH-Rückmeldemodells® mit allen verantwortlichen Personen/allen Beteiligten. Ein gelingender Prozess ist es dann, wenn die Erfolgsfaktoren umgesetzt werden – in Interaktion mit den Menschen, die Verantwortung tragen und entsprechenden Stellen/Positionen, Funktionen haben und deren Aufgabenerfüllung in Richtung der gemeinsamen Absicht richten.
- Individuell
bedeutet, dass jeder Mensch seine Fähigkeiten und Kompetenzen unterschiedlich einsetzt und als geschlossenes Bewegungssystem anzusehen ist, das alle Lern-, Denk- und Lebensprozesse von innen gestaltet und somit spezifische Erfahrungen sammelt.
- Innere Prozesse
Damit sind physiologische Prozesse gemeint, die im Körperinneren ablaufen, wie z. B. Atmung, Verdauung, Kreislaufaktivitäten etc.
- Integration
meint das Umsetzen des Wissens in die Praxis und auf längere Sicht in die täglichen Arbeitsabläufe oder das Einbinden und Automatisieren im Privatleben bzw. die Änderung des Verhaltens.
- Internes KMLH-Rückmeldemodell
ist die Übertragung des KMLH-Rückmeldemodells® (siehe dort) auf die eigene Organisation von KMLH durch Ulrike Resch-Kröll. Sein Anspruch: Die Haltung von MH®Kinaesthetics soll nicht nur in den Bildungsangeboten sichtbar sein, sondern auch in der Form, in der KMLH selbst organisiert ist. Es folgt derselben Logik wie das Modell für Organisationen – im Zentrum die Absicht und die KMLH-Leitsätze –, ist aber auf eine heterarchische Organisation zugeschnitten: Position (innen), Funktion (außen) und Rolle (dargestellt durch gebogene Doppelpfeile als Symbole für die Rollen, die sich in Interaktionen herausbilden) sind über die Grafik verteilt. Die Rolle wird dabei weiter gefasst – nicht als Besitz einer einzelnen Person, sondern als Qualität der Interaktion, die aus der Zusammenarbeit zweier Positionen hervorgeht. Wie das Modell für Organisationen kennt auch das interne Modell die Frage nach dem Wiefür (siehe dort): ob das Wie der Zusammenarbeit der gemeinsamen Absicht entspricht.
K
- KMLH-Rückmeldemodell®
Ein von C. Steinmetz-Ehrt entwickeltes Kommunikations- und Interaktionsmodell für zweckdienliche, nutzbringende und wirksame Implementierungsprozesse in Organisationen auf Basis der Verhaltenskybernetik und des Hypnosystemischen Coachings nach Dr. Gunther Schmidt, Heidelberg. Das Modell ist seit über einem Jahrzehnt in Gebrauch und wird fortlaufend weiterentwickelt. Jüngste Ergänzungen sind das „Wiefür“ (nach Mechthild Reinhard und Peter Pristas) sowie das interne KMLH-Rückmeldemodell – Ulrike Resch-Krölls Übertragung des Modells auf die eigene, heterarchisch aufgebaute Organisation.
- Kulturwandel (in Organisationen und Teams)
meint im Verständnis von MH®Kinaesthetics keine von außen verordnete Änderung von Regeln oder Leitbildern, sondern eine von innen wachsende Veränderung der Art, wie Menschen miteinander umgehen und sich miteinander bewegen. Ausgangspunkt ist die einzelne Interaktion: Wenn Menschen über die eigene Bewegung ihre Bewegungs- und Interaktionskompetenz entwickeln, verändert sich schrittweise auch die gemeinsame Praxis – hin zu einer wertschätzenden, ressourcenorientierten Kultur der Zusammenarbeit. Gelungener Kulturwandel zeigt sich daran, dass die gelebte Art des Miteinanders mit dem nach außen vertretenen Menschenbild übereinstimmt; die Frage nach dem Wiefür (siehe dort) macht diesen Abgleich zum Maßstab. In diesem Sinn ist Kulturwandel Ausdruck des Kinaesthetics-Ziels, „zu einer besseren Kultur menschlicher Interaktionen beizutragen“.
L
- Lernen durch Fehlerkorrektur
bedeutet, dass das Lernen nicht durch Wiederholen, starken Willen oder andere Maßnahmen stattfindet, sondern durch die Sensibilität, die es erlaubt, Bewegungsfehler in Echtzeit ständig zu korrigieren. In diesem Sinn sind Fehler die wichtigste Basis für das Leben.
- Lernen mit MH®Kinaesthetics
Das Verständnis der Verhaltenskybernetik bildet den Rahmen für das Lernen mit MH®Kinaesthetics. Jeder Mensch lernt für sich allein, einzigartig und unabhängig. Die MH®Kinaesthetics-Trainer*innen sind keine Lehrer*innen im üblichen Sinn. Sie sind verantwortlich dafür, eine Lernumgebung zu gestalten, in der jede Person selbst lernt, indem sie auf die eigene Bewegung und die der anderen achtet.
M
- MH®Kinaesthetics
Seit dem Jahr 2006 wurden die Initialen der Begründer*innen vor das Wort Kinaesthetics geschrieben, um sicherzustellen, dass die Qualität der Lernprogramme und der Dienstleistungen für die Organisationen, Trainer*innen und Zertifizierten Anwender*innen, die mit Maietta und Hatch arbeiten, gewährleistet ist.
- MH®Kinaesthetics-Bildungssystem
ist ein bewegungsbasiertes Bildungssystem, das sich an alle Menschen richtet, die ihre Lernfähigkeit, ihre Gesundheit und ihre Effektivität entwickeln möchten. Es beruht auf dem Grundgedanken „moveo ergo sum“ – „Ich bewege mich, also bin ich“ – und lässt sich anhand von drei Ebenen beschreiben: Die oberste Ebene umfasst Menschenbild, Annahmen und Absichten; die mittlere Ebene die methodischen Elemente (Konzeptsystem sowie Lernmodell/Lernzyklus); die Basisebene die wissenschaftlichen Grundlagen aus der Verhaltenskybernetik (Feedback Control Theory). Das Bildungssystem ist die gemeinsame Grundlage aller MH®Kinaesthetics-Bildungsangebote und institutionellen Kulturentwicklungsprozesse; es wird von KMLH bewahrt, angepasst und fortlaufend weiterentwickelt.
P
- Positionen passend gestalten
Jeder Mensch verändert seine Position (und meist die Umgebung um sich herum) unbewusst und bewusst so, dass effektive Bewegung in Richtung seiner Absicht möglich ist. Dafür werden meist minimale Bewegungen durchgeführt, um die Muskelspannung und den wahrgenommenen Druck an manchen Körperstellen zu verändern.
R
- Real Time Learning/Echtzeit-Lernen
Damit ist der Lernprozess im Hier und Jetzt, in der Gegenwart gemeint. Durch das Lernen mit MH®Kinaesthetics wird die Sensibilität für das eigene Tun/Handeln (in Echtzeit) und die Begleitung anderer Menschen gesteigert.
T
- Themen/Thema
bezieht sich auf eigene Themen und Lebensthemen (z. B. Gesundheits- oder Fachthemen einer bestimmten Person). Bei der Gestaltung der Alltagsaktivitäten arbeiten Menschen ständig bewusst und unbewusst an eigenen Themen. Im Kontext von Pflege/Betreuung beeinflussen Themen die Aktivität. Zum Beispiel: Sich mit dem Thema „Schmerzen“ von der Rücken- in die Seitenlage zu bewegen, zieht andere Bewegungsabläufe nach sich als dieselbe Aktivität mit dem Thema „wenig Kraft“ oder „hohe Körperspannung“.
- Tracking (Body Tracking, Social Tracking, Culture Tracking)
Tracking bedeutet Folgen. Die Kernbedeutung des Trackings ist, dass jeder Aspekt des Lebens durch Interaktionen entsteht und sich stets weiterentwickelt. Interaktionen fangen im eigenen Körper an – mit Body Tracking. Sie bilden sich aus der Bewegung und werden durch die Rückmeldung der Bewegung und das Folgen (Tracking) von Bewegung reguliert und gesteuert.
▸ Body Tracking: der eigenen Körperbewegung folgen
▸ Social Tracking: der Bewegung eines Gegenübers folgen
▸ Culture Tracking: der Bewegung in Form von Ideen folgen
Body Tracking und Social Tracking sind die Hauptquellen für Gesundheit, Lernen und Kommunikation einer jeden Person.
U
- Unterstützungsfläche
ist das Material oder der Gegenstand, der unmittelbar Kontakt zum Körper eines Menschen hat. Beispiele: Kleidung, Schuhe, Stuhl, Bett, Kissen, Boden u. v. m.
V
- Verhaltenskybernetik
ist der wissenschaftliche Rahmen von MH®Kinaesthetics. Sie ist ein spezieller Zweig der Kybernetik und wurde von Karl U. Smith (1907–1994) begründet, der von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre die Rolle der Rückkopplung (Feedback) für die menschliche Bewegung und ihre Entwicklung erforschte. Die Verhaltenskybernetik untersucht menschliches Verhalten als einen selbstregulierten, in sich geschlossenen Kontrollprozess: Nicht äußere Reize bestimmen das Verhalten, sondern der Mensch reguliert sich über die Rückmeldung seiner eigenen Bewegung von innen heraus. Auf dieser Grundlage versteht MH®Kinaesthetics Bewegung als Quelle von Gesundheit, Lernen und Kommunikation. (siehe auch Feedback Control Theory)
W
- Wahrnehmung
Wahrnehmung ist für jede Person individuell. Das gegenwärtige Verständnis von Wahrnehmung basiert auf einer langen Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, angefangen bei Herrmann von Helmholtz, einem deutschen Physiologen, und ergänzt durch die Arbeiten von David H. Hobel und Torsten N. Wiesel (zitiert nach Maietta & Hatch, 2015) in ihren Sehstudien. Diese Arbeiten wurden integriert und ergänzt durch die Erforschung von Wahrnehmungsprozessen, wie sie in den verhaltenskybernetischen Labors erarbeitet wurden. Diese Arbeit zeigt, dass Wahrnehmung durch selbstkontrollierte Bewegungen generiert und gesteuert wird. Die Aufnahme von Sinnesreizen ist nur ein Teil des Wahrnehmungsprozesses (Maietta & Hatch, 2015).
- Wiefür
Das „Wiefür“ fragt nach der Qualität eines Prozesses: ob die Art und Weise, wie ein Sinn verwirklicht wird, dem Sinn selbst entspricht. Es ergänzt damit das „Wofür“, das nach dem Sinn eines Prozesses fragt – nach der Absicht, auf die er ausgerichtet ist. Der von der systemischen Familientherapeutin Mechthild Reinhard gemeinsam mit dem Diplom-Theologen und Pädagogen Peter Pristas geprägte (geschützte) Begriff ist zugleich ein Akronym: „Wirksame Impulse Erforschen Für Überblick + Richtung“.
Quelle: Resch-Kröll, U. & Hojdelewicz, B. M.: Kinaesthetics in der Pflege. Gesundheitsentwicklung und menschliche Aktivitäten, 3., überarbeitete Auflage, facultas, Wien 2026, „MH®Kinaesthetics – Vokabular/Glossar“, S. 247–258. Abdruck mit Zustimmung der Autorinnen.
Begriffe aus den Bildungsangeboten von KMLH
Zwei Erklärungen, die in den Kästen „Auf einen Blick“ und auf den Kursseiten gebraucht werden (Wortlaut KMLH, nicht aus dem Lehrbuch).
- Zeitstunde / Unterrichtseinheit
KMLH rechnet die Dauer der Bildungsangebote in Zeitstunden (60 Minuten). In Österreich sind Unterrichtseinheiten üblich; KMLH legt eine Unterrichtseinheit mit 45 Minuten fest – 6 Zeitstunden entsprechen 8 Unterrichtseinheiten. Ein Grundkurs mit 3–4 Tagen umfasst 18–24 Zeitstunden, also 24–32 Unterrichtseinheiten. Die Spanne ist Absicht: mindestens drei Kurstage; ein vierter Tag kommt dazu, wenn Praxiseinsätze in Kleingruppen sinnvoll sind.
- Praxiseinsatz (im Kurs) / Praxisbegleitung
Ein Praxiseinsatz im Kurs ist ein erstes Kennenlernen: In Kleingruppen bringen die Teilnehmer*innen erste Erkenntnisse in die eigene Bewegung und in die Interaktion mit anderen. Praxisbegleitung findet nach dem Kurs statt – einzeln oder in Kleingruppen, während der Arbeit, mit Kolleg*innen und den Menschen, die begleitet werden. MH® Kinaesthetics Praxisbegleitung vor Ort